Laboratoriumsgespräch 3
Im Zusammenhang mit der Vergabe des Sparda-Bank-Preises zeigte das Institut als vierte Ausstellung in der Reihe Saarländische Bildhauer von April 1995 bis März 1996 Werke von Leo Kornbrust.
Am 22. August 1995 versammelten sich zahlreiche Kunstinteressierte im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis zum dritten Laboratoriumsgespräch, um in der Begegnung mit dem Künstler Informationen über seine Arbeit zu erhalten. Monika Bugs führte das Gespräch, in dem Kornbrust ausführlich auf seine Werke, die Skulpturenstraße in St. Wendel und vor allem auf seine neue große Arbeit für die Union Krankenversicherung in Saarbrücken einging. Siehe auch die Publikation des Instituts, "Interview 4. Leo Kornbrust im Gespräch mit Monika Bugs".
"Es ist ein langer Weg bis zu einer Gurke"
Leo Kornbrust zu Gast beim Laboratoriumsgespräch
"Eine 'Gurke' hätte ich im Jahre 1957 noch nicht machen können. Es ist ein langer Weg bis dahin", plaudert der St. Wendeler Blildhauer Leo Kornbrust grinsend über eine künstlerische Entwicklung, legt seine Stirn in Falten und überlegt noch mal. "Vor allen die Entscheidung, nur noch in Stein zu arbeiten, hat meine gesamte Linie beeinflußt."
Leo Kornbrust, vor kurzem mit dem hochdotierten Sparda-Kunstpreis für Kunst im öffentlichen Raum dekoriert, ist der Interviewpartner der Kunsthistorikerin Monika Bugs beim dritten "Laboratonriumsgespräch" in Saarlouis. Ganz "hiwwelig" vor Begeisterung berichtet er von "seinem neuesten bisher größten" Einzelprojekt: der Gestaltung des Innenhofs eines Versicherungsneubaus in Saarbrücken, einer Skulptur aus zehn Einzelsteinen und rund zwölf Metern Höhe. Er erzählt von der Planungsphase, der Auswahl der Steine, die aus Südafrika stammen und monatelang als Schiffsfracht unterwegs waren, und von der Bearbeitung der Steine. "Jetzt müssen wir die einzelnen Steine noch übereinandertürmen. Bei den Gewichten der einzelnen Steine zwischen 14 und 25 Tonnen werden im Moment noch Spezialdübel hergestellt, die ich in den nächsten Tagen abhole."
Monika Bugs und das Team des Instituts für aktuelle Kunst präsentieren bei den Laboratoriumsgesprächen Kunst und Künstler hautnah zum Anfassen, ein Konzept, das von vielen Kunstfreunden begeistert aufgenommen wird. So haben sich auch über 80 interessierte Zuhörer zum ,"Interview" und zur Diskussion mit Leo Kornbrust im Laboratorium eingefunden. "Eine Symbolik meiner Skulpturen steht für mich nicht im Vordergrund", erläutert er, "das Siebeneck (im Laboratorium ausgestellt) zum Beispiel, muß ganz vom Verstand her konstruiert werden."
"Ich suche im Steinbruch gerade den Stein aus, der meiner Idee entgegenkommt. Granit ist für Blöcke ideal, aus Basaltlava entstehen organische Formen wie die 'Gurke'." Die Frage eines Besuchers nach dem "idealen Standort" zum Betrachten bereitet ihm Schwierigkeiten: "Sie müssen einfach drumherum gehen."
Schwungvoll signiert Kornbrust das Kornbrustbuch. Einen Bleistift möchte er, Kugelschreiber kann er nämlich nicht leiden. "Die Unterschrift verschwindet damit im Laufe der Jahre, da sehen sie nichts mehr." Er klappt das Buch bei einem Text des Münchner Galeristen und Multitalents Ruppert Walser auf: "Das da, das müssen sie lesen, das ist gut". Und siehe, da steht: "Der Leo ist ein ernster Kindskopf. Bei ihm wird alles ein bißchen schräg und ein bißchen größer."
Alexandra Broeren (in: Saarbrücker Zeitung)