Buchvorstellung: Kunst im öffentlichen Raum Saarland. Landkreis Saarlouis
Am 25. Juni 2009 wurde im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes Saarlouis der dritte Band der Reihe "Kunst im öffentlichen Raum, Saarland, Landkreis Saarlouis" vorgestellt.
Nach der Begrüßung durch die Landrätin des Kreises Saarlouis, Monika Bachmann, und der Projektvorstellung durch den Leiter des Instituts für aktuelle Kunst, Prof. Jo Enzweiler, stellte Hans Jörg Schu das Buch vor.
Sehr geehrte Frau Landrätin,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
der vollständige Titel des Werkes, das wir Ihnen heute Vormittag vorstellen, lautet:
„Kunst im öffentlichen Raum Saarland, Band 3, Landkreis Saarlouis nach 1945
Aufsätze und Bestandsaufnahme“
Fürwahr ein langer Titel. Länger noch ist die Entstehungsgeschichte des Buches. Zwischen der Vorstellung des Konzeptes in der zweiten Hälfte des Jahres 1998 durch Prof. Jo Enzweiler und der Auslieferung der Bände in der vergangenen Woche liegt immerhin eine Zeitspanne von etwas mehr als zehn Jahren. Von Bummelei kann hier dennoch keine Rede sein. Die lange Schwangerschaft hatte berechtigte Gründe. Es ließe sich hier sogar von einer gewissen Beschleunigung reden, denn - ursprünglich als Band 4 geplant - ist das Buch dank des großen finanziellen Engagements des Landkreises auf Platz 3 vorgerückt.
Eine Redensart meint: Was lange währt, wird endlich gut. Hier finde ich sie bestätigt. Es ist ein gutes Buch geworden – sowohl im Hinblick auf die fachliche Qualität, welche die Dokumentation und die verschiedenen Aufsätze auszeichnet, als auch im Hinblick auf die Fülle der Informationen, die sie bieten, und die Vielfalt der historischen und städtebaulichen Bezüge, der Sinn- und Entstehungszusammenhänge, die sie herstellen.
Dieser Band ist ein sehr umfangreiches Werk und umfasst insgesamt 392 Seiten. Der erste Teil enthält auf 144 Seiten 18 Beiträge, in denen sich 16 Autorinnen und Autoren unter verschiedenen Aspekten und Bezügen mit dem Thema „Kunst im öffentlichen Raum“ auseinander setzen. Auf den nächsten Seiten folgt dann die Bestandsaufnahme, die alphabetisch nach den Städten und Gemeinden geordnet die einzelnen Kunstobjekte in Wort und Bild dokumentiert.
Beide Teile enthalten insgesamt rd. 650 S/W-Abbildungen.
Sowohl in der Dokumentation wie auch in den Aufsätzen können sich die drei Städte und die zehn Gemeinden des Landkreises mit ihren Kunstobjekten wieder finden. Übergreifend bildet der Landkreis den Rahmen, in dem sich die einzelnen Mosaiksteine zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Mit diesem Thema befasst sich speziell der Aufsatz „Kunst im Landkreis Saarlouis“.
Dieser Band ist auch ein schönes Buch geworden. Es ist ein ansprechend gestalteter, repräsentativer Band im Format DIN A 4 mit einer übersichtlichen Text- und Bildanordnung. Seine hohe Druckqualität verdankt das Buch der Krüger Druck und Verlag GmbH Dillingen. In den Abbildungen kommt auch der besondere Reiz zur Geltung, der von S/W Abbildungen ausgeht und sich gegenüber der Farbe durchaus behaupten kann.
Aus der langen Entstehungsgeschichte des Buches hätte durchaus auch eine unendliche Geschichte werden können, denn die Verwirklichung von Kunst im öffentlichen Raum muss als ein fortdauernder Prozess verstanden werden. Kunst im öffentlichen Raum sollte auch in Zeiten knapper Haushaltmittel nicht als verzichtbarer Luxus, sondern als ein wichtiger Beitrag zur Bildung von Identität und Gemeinschaft angesehen werden. Die im Titel gewählte Terminierung „nach 1945“ hält denn auch bewusst die Zukunft offen. Aber in Bestandsaufnahmen muss dann doch irgendwann ein vorläufiger Schnitt vollzogen werden. Die Fortschreibungen können Sie künftig im Internet-Kunstlexikon-Saar verfolgen - dort in Farbe.
Erfreulicherweise hat bei uns schon gleich nach Redaktionsschluss des Buches die Entwicklung einen spektakulären Fortschritt vollzogen. Ich denke hier an die Lichtstele des Künstlers Ben Muthofer, die in der Dokumentation noch als Modell erscheint, inzwischen aber Mitte Mai auf dem Bahnhofsvorplatz Saarlouis fertig gestellt und unter Glockengeläut enthüllt worden ist. Dass sie offenbar keine öffentliche Diskussion ausgelöst hat, könnte für eine weitgehende Akzeptanz sprechen,drückt vielleicht aber auch nur Gleichgültigkeit aus.. Die Hajek-Plastik „Zeichen flügelt im Raum mit Artikulationsfeld“ in Saarlouis und die Serra-Plastik „Viewpoint“ in Dillingen hatten seinerzeit noch zu kontroversen Diskussionen in der Öffentlichkeit geführt. Diskussionen sind – so meine ich - der Gleichgültigkeit allemal vorzuziehen, weil sie eine Informationsplattform bieten und Kommunikation schaffen. In einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung hat Hajek damals selbst zu seiner Plastik erklärt: „Eine solche Arbeit, wie ich sie in Saarlouis gemacht habe, muß in der Öffentlichkeit sein und setzt Teilnehmende an der Kunst voraus, die nicht unbedingt Gefallen daran haben müssen.“
Andreas Küker unternimmt in seinem Beitrag „Drei Versuche der Annäherung an die künstlerische Arbeit von Otto Herbert Hajeks 'Zeichen flügelt im Raum mit Artikulationsfeld'" – einen phänomenologischen, einen formalästhetischen und einen polyperspektivischen. Einleitend schreibt er: „Der Versuch, das 'Nicht-Greifbare' sichtbar zu machen, scheint mir das Wesen der Hajekschen Kunst im Ganzen auszusprechen und im Stadtzeichen von Saarlouis beispielhaft umgesetzt worden zu sein.“
Mit der Monumentalplastik „Viewpoint“ von Richard Serra befasst sich der Beitrag „Die Dillinger Hütte und die Kunst“ von Monika Bugs. Die Verfasserin charakterisiert die Persönlichkeit des Künstlers und würdigt die bewährte Zusammenarbeit zwischen ihm und der Dillinger Hütte. Zur Plastik selbst schreibt sie: „Sie stört, bietet Widerstand – dem gewohnten Denken, Sehen Erleben von Welt. Sie stoppt unsere Bewegung, zwingst uns in eine andere Richtung. Umgehen oder umfahren wir sie, öffnet sie sich, wird durchlässig, man entdeckt ungeahnten Raum, der den Blick nach oben zum Himmel und an der Schmalseite freigibt.“
Persönlich bin ich auf die Lichtstele von Ben Muthofer dreimal angesprochen worden und jedes Mal löste mein Urteil „Ich bin begeistert“ Verständnislosigkeit aus. Auf meine Frage, was sie sich denn dort gewünscht hätten, erhielt ich jeweils die Antwort: „Einen Baum“. Meiner Meinung nach eine städtebauliche Todsünde, die mich wiederum fassungslos machte.
Die beiden Kunstobjekte „Zeichen flügelt im Raum“ und „Lichtstele“ wurden auf Empfehlung der „Kunstkommission“ die im Sommer 1993 auf Vorschlag des damaligen Oberbürgermeisters Richard Nospers zur Vorbereitung von Entscheidungen über Kunst im öffentlichen Raum gebildet worden war, ausgewählt und verwirklicht, Deren Aufgabenstellung und Zusammensetzung beschreibt Sandra Kraemer in ihrem Beitrag „Kunstkommission Saarlouis- Projekte 1993-2008“: Auswahl an Künstlerinnen und Künstlern, die von der Verwaltung zur Abgabe von Angeboten aufzufordern sind, und Beratung bei der Pflege und Instandsetzung von Kunstwerken im öffentlichen Raum“. Die Verfasserin stellt in ihrem Beitrag auch die einzelnen Projekte vor, die von der Kommission seit ihrem Bestehen ausgewählt und vorgeschlagen wurden. Die Kunstkommission Saarlouis könnte den anderen Städten und Gemeinden des Landkreises als Vorbild zur Bildung eines ähnlichen Gremiums dienen, das mögliche Sündenfälle verhindert.
Der „Stahl-Kunst-Stadt“ Dillingen widmet sich der Beitrag „Moderne Stahlplastik in Dillingen/Saar“, in der Gertrud Schmidt die Stahl-, Eisen- und Bleiplastiken vorstellt, die 1990 zur 2000-Jahrfeier der Stadt und 1999 zum fünfzigjährigen Stadtjubiläum geschaffen wurden. „Bei diesen Kunstwerken“ – so schreibt sie – „handelt es sich ausschließlich um solche, die für genau diesen Standort, an dem sie zu sehen sind, geschaffen wurden. Die Künstler kannten den Standort und seine Umgebung, die Geschichte und die Gegenwart der Stadt, in der und für die die Kunstwerke geschaffen wurden.“ In ihrer geschlossenen Anordnung bieten sich diese Kunstwerke zu geführten Rundgängen an. Wie ich gehört habe, hat sich denn auch die Katholische Erwachsenenbildung Dillingen diesbezüglich bereits mit der Verfasserin in Verbindung gesetzt.
In ihrem Beitrag „Das Gesamtkunstwerk Landeszentralbank Saarlouis“ stellt Marlen Dittmann ein Bauwerk vor, dessen Innenraumgestaltung deutschlandweit Beachtung fand. Das Feuilleton der ZEIT würdigte das Treppenhaus als „verborgenes Meisterwerk“. Hier hatten der Architekt und die beiden Künstler von Anfang an zusammengewirkt und so ein gelungenes Gesamtkunstwerk geschaffen. Deren Zusammenwirken hat die Verfasserin nachgespürt und dabei auch einiges von den Charakteren der Beteiligten eingefangen. Inzwischen hat die Bundesbank das Gebäude an eine Higtechfirma veräußert. Ob die Umnutzung auch eine Veränderung des „Meisterwerkes“ mit sich bringen wird, bleibt abzuwarten.
Jahrhunderte lang hatten sich Brunnen auf Grund ihrer Funktion und Lage als ideale Treffpunkte erwiesen. Diese Tradition wirkt offensichtlich bis heute im Bewusstsein nach. Und hieraus erklärt sich vielleicht auch die Vielzahl der Brunnen, die seit Kriegsende in allen Städten und Gemeinden unseres Landkreises in unterschiedlicher Funktion und Gestaltung entstanden sind – allerdings auch mit unterschiedlichem künstlerischem Anspruch. Mit der gesamten Problematik der „Brunnen als mitunter schwieriger Kunst im öffentlichen Raum“ hat sich Sabine Graf in ihrem kritischen Beitrag „Kein Trinkwasser“ auseinandergesetzt. Teils bestätigt, teils verwirft sie Brunnenanlagen und hält zwischendurch auch die eine oder andere Anregung bereit.
Die größte Vielfalt an „Kunst im öffentlichen Raum“ bieten unbestreitbar die Schulen. Die künstlerische Bandbreite erstreckt sich vom kindlich-naiven Wandbild über Trinkbrunnen, Zunftzeichen und Darstellungen der Arbeitswelt bis zur abstrakten Stahlplastik von hohem künstlerischem Rang. Diesem Anspruch genügen die drei Plastiken am Max-Planck-Gymnasium Saarlouis, die Gerhard Tänzer in seinem Beitrag „Mit Kunstwerken dreifach bezeichnet“ vorstellt. Der Verfasser ist Kulturpreisträger des Landkreises und hat jahrzehntelang an dieser Schule unterrichtet. Die drei Plastiken nehmen Bezug auf die Struktur der Gebäude als auch auf deren Funktion. Gerhard Tänzer ist zu recht stolz auf seine Schule. Im Schlusssatz schreibt er: „Wahrscheinlich gibt es nicht viele Schulen im Saarland, die sich eines solchen kleinen Kunstschatzes zu rühmen vermögen.“
Auf Grund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit äußern einige Beiträge Befürchtungen für die Zukunft; sie ermahnen und geben beschwörend Ratschläge. Auf ein Zukunftsprojekt konzentriert sich der Aufsatz „Friedensreich Hundertswassers Architektenentwürfe für den Solarpark in Dillingen“ von Roland Augustin. Der Autor geht ausführlich auf die Bedeutung der Spiralform für die Architektur des Künstlers und auf dessen beiden Grundprinzipien ein:
"1) Die Architektur unterbricht die natürliche Landschaft nicht. Die Wiese setzt sich über das einem sanften Hügel nachempfundene Dach fort.
2) Was durch Ausschachtungen an Erdvolumen genommen wird, wird als Hügel auf dem Haus wieder ersetzt." Und zu Hundertwassers Solarparkarchitektur schreibt er: "Die Tatsache, dass die Zeichnungen zu Dillingen zu den letzten Zeugnissen des Künstlers überhaupt zählen, erhöhen ihren Wert enorm. Gleichzeitig markieren sie seine wesentlichen Ideen zum Spiralbau und die Entwicklung einer neuen Kombination von Augenschlitz- und Grubenhaustyp."
Historische Bezüge und die Rücksichtnahme auf gewachsene Strukturen erfordern von den Stadtplanern eine hohe Sensibilität. Doch an ihr hat es in der Vergangenheit allzu häufig gemangelt. Georg Skalecki fordert in seinem Beitrag „Denkmalpflege in Stadt und Kreis Saarlouis“, „den erhaltenswerten Zeugnissen unserer Geschichte ein aussagefähiges Fortbestehen in der Zukunft zu gewähren und sie gemeinsam mit den Zeugnissen der Gegenwart zu einem vernünftigen Ganzen zu verbinden.“ Die Vauban-Stadt Saarlouis, die einst als Gesamtkunstwerk konzipiert worden ist, sieht er dabei in einer besonderen Verantwortung. Und so fällt hier auch seine Kritik an den baulichen Todsünden der Vergangenheit besonders harsch aus. Schon allein im Hinblick darauf ist dieses Buch für die Verantwortlichen der Stadtverwaltung und die Mitglieder des Stadtrates Pflichtlektüre. Zur Beruhigung will ich jedoch anfügen, dass er auch Lob verteilt: für die Sanierung der Festungsanlagen und der Kasematten, des Laboratoriums und der Kaserne 1 und nicht zuletzt für die gelungene Symbiose der historischen Kaserne IV mit der modernen Architektur der Galerie Kleiner Markt.
Mit der Vaubanschen Festungsstadt befassen sich noch zwei weitere Aufsätze.
In seinem Beitrag „Konversion in Saarlouis“ beschreibt Jürgen Baus die „Umnutzung militärisch genutzter Flächen und Gebäude in Saarlouis“. Seine Darstellung ist detailliert, auch wenn er sie selbst in seiner Einleitung als lückenhaft bezeichnet. Von den ehemaligen französischen Kasernen ist nur noch die Kaserne I in der Pavillonstraße erhalten. Alle übrigen Kasernen, die im Stadtkern den Fortschritt überlebt haben, wurden in preußischer Zeit am ursprünglichen Standort der französischen Kasernen errichtet. Sie und die Kasematten, vermitteln – auch wenn sie heute alle zivilen Zwecken dienen - noch immer etwas vom Charakter der alten Garnisonsstadt.
Oranna Dimmig behandelt in ihrem Beitrag „die ehemalige Festungsstadt als Bezugsrahmen für die Kunst im öffentlichen Raum“. Sie beschreibt detailliert die ursprünglichen Festungswerke und urteilt, dass sich hier „in vorher und nachher nicht mehr erreichter Weise die Erfordernisse eines funktionsgerechten Festungsbaues mit einer repräsentativen und ästhetisch wohlgefälligen Baugestalt vereinigen.“ Sie verfolgt deren Veränderungen und Zerstörungen bis in unsere Zeit und zeigt auf, was an Anlagen erhalten und an Strukturen erkennbar geblieben ist. „Sie wirken“, schreibt sie, "auf den öffentlichen Raum, in dem für die Bewohner und Besucher der Stadt geschaffene Kunstwerke ihre Aufstellung fanden und weiterhin finden. Insofern erscheint es sinnvoll, sich unter diesem Gesichtspunkt dem vielfach behandelten Thema der Vauban’schen Festungsstadt Saarlouis erneut zu widmen."
In seinem Beitrag „Rückgriff auf die Geschichte“ belegt Günter Scharwath, dass bis in die Gegenwart hinein immer wieder Kunstwerke in der Absicht geschaffen worden sind, an bestimmte Personen oder an Ereignisse von historischer Bedeutung zu erinnern. Die zahlreichen Grabmäler, auf die er sich in seinem Aufsatz bezieht, halten die Erinnerung an historisch bedeutende Verstorbene wach. Indem der Verfasser ihre Namen nennt, werden diese auch als Persönlichkeiten konkret fassbar. Eingehend widmet er sich in seinem Beitrag dem „Alten Friedhof Saarlouis“ und dem „Jüdischen Friedhof in Diefflen“ und geht auch auf die Grabsymbole ein. Vier Arbeiten zeitgenössischer Künstler, die auch in die Dokumentation aufgenommen worden sind, zeigen, dass auch sie „zur steten Erinnerung“ geschaffen wurden.
Dem Totengedenken ist auch das Ehrenmal an der Marienkapelle in Beaumarais gewidmet, das Horst Baus in seinem Beitrag vorstellt. Die Siedler hatten es 1957 zur Erinnerung an ihre Gefallenen errichtet.
In seinem zweiten Beitrag „Kunst auf Halde“ zeigt Günter Scharwath auf, wie mit dem Kunst-Wander-Weg auf die Ensdorfer Berge-Halde eine Verbindung von Industrie und Kunst möglich wurde. Er schreibt: „Unter Tage war einiges an Material gewissermaßen im Arbeitseinsatz gewesen, bevor es als eine Art Bauteil in den Installationen der Künstlerinnen und Künstler eine neue, eine andere Verwendung fand, mittels derer die ursprünglich so profanen Werkzeuge und Hilfsmittel in den Sinnbereich der Kunst einbezogen wurden.“
Der erste Teil des Buches schließt mit einem künstlerischen „Blick auf Berus“ Hier korrespondieren die filigranen Zeichnungen von Gabriele Eickhoff mit den Gedichten von Gerhard Tänzer. Beide sind Kulturpreisträger des Landkreises.
Die nachfolgende Bestandsaufnahme, die von Oranna Dimmig bearbeitet wurde, dokumentiert - alphabetisch nach Städten und Gemeinden geordnet - exakt 367 Kunstwerke im öffentlichen Raum. Sehr unterschiedliche Arbeiten sind hier versammelt - unterschiedlich in der Gattung, im Stil, im Motiv und nicht zuletzt auch in der künstlerischen Qualität. Hier sind Arbeiten vertreten, die eher dem Kunsthandwerk nahe stehen, aber auch Kunstwerke von hohem Rang. Die Verfasserin beschränkt sich im Text auf die Daten der Künstler, die Beschreibung der Objekte, auf Zeit und Ort der Aufstellung und die Darlegung des Sinn- und Entstehungszusammenhangs, enthält sich aber einer Wertung. Wertungen finden sich - wie ich schon ausführte - in den Aufsätzen.
Prof. Jo Enzweiler, der Herausgeber des Werkes, schreibt in seiner Einführung:
„So kann die Erfassung jeweils über das rein wissenschaftliche Interesse hinaus auch Grundlage für die praktische Erhaltung, Pflege und Vermittlung sein und schließlich Richtschnur für politisches Handeln.“
Unter diesem Aspekt ist das Buch eine Pflichtlektüre für alle, die hier Verantwortung tragen.
Das Verhältnis von Kunst im öffentlichen Raum und Identität ist ein zentrales Thema des Aufsatzes „Kunst im Landkreis Saarlouis“. Der Verfasser schreibt hierzu:
Der Landkreis Saarlouis legt Wert auf eine unverwechselbare Identität, die über das rationale Interesse an behördlichen Dienstleistungen hinaus auch emotionale Beziehungen herstellt.27 An ihr und ihrer Vermittlung müssen überörtliche Gebietskörperschaften wie die Landkreise zwangsläufig stärker arbeiten als die »gewachsenen« Städte und Gemeinden, die einheitlichere und überschaubare Strukturen aufweisen und den Bürgern und Bürgerinnen näher sind. Selbst die vielen Kunstwerke im öffentlichen Raum, die Eigentum des Landkreises sind, werden eher lokal gesehen und ihm nur selten direkt zugeordnet. Identitätsbildung erfordert hier, die verschiedenen, aber typischen Merkmale so herauszuarbeiten und bewusst zu machen, dass dieses vielgestaltige, komplexe Gebilde »Landkreis« als gemeinsamer Lebensraum und als Gemeinschaft der hier lebenden Menschen erkannt und erfahren wird. Zu beachten bleibt, dass Identität in zwei Richtungen gebildet wird: nach innen und nach außen. Denkt man an den Fremdenverkehr, so stellt sich letzteres wohl als die leichtere Aufgabe dar. Was an historischer Bausubstanz und charakteristischen Ortsbildern seine Kulturlandschaft prägt, muss der Landkreis in einen überörtlichen Zusammenhang stellen. Was er hierzu an Information und Werbung betreibt, richtet sich nicht nur an ?auswärtige Besucher, sondern auch an die eigene Bevölkerung. Die vielen Mosaiksteine sollen sich zu einem erkennbaren Gesamtbild fügen.
Dieser Band leistet einen grundlegenden Beitrag hierzu.
Und deshalb lege ich Ihnen dieses Buch wärmstens ans Herz!
Hans Jörg Schu