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Memorandum: Zentrum für Künstlernachlässe


Seit einiger Zeit bemüht sich das Institut für aktuelle Kunst zur Lösung des Problems der Betreuung von Künstlernachlässen einen Beitrag zu leisten.

 

In diesem Zusammenhang fand im Oktober 2008 in Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk ein viel beachtetes Symposion statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation aufmerksam zu machen.

 

Am 2. Dezember 2010 hat sich noch einmal ein Personenkreis zusammengefunden, der in besonderer Weise mit der Problematik vertraut ist, um durch die Verfassung eines Memorandums auf den bisherigen Verlauf der Bemühungen zur Schaffung eines „Zentrums für Künstlernachlässe“ hinzuweisen.

 

 

MEMORANDUM
"Zentrum für Künstlernachlässe"


1

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, begünstigt durch eine friedvolle, von wirtschaftlichem Aufschwung bestimmte gesellschaftliche Entwicklung, hat auch die Zahl derer, die ihr Leben der Beschäftigung mit den Bildenden Künsten ge­widmet haben, erheblich zugenommen – Künstler, die von Fall zu Fall ein um­fangreiches Lebenswerk hinterlassen haben.


2

Häufig ist Bildenden Künstlern, Architekten und Designern eine intensive Verbreitung ihres Werkes verwehrt geblieben, obwohl sie nachgewiesenermaßen zum Teil eine überregionale Bedeutung erlangt haben.


3

Erben oder Nachlassverwalter sind in vielen Fällen nicht in der Lage, auf Dauer die künstlerischen Hinterlassenschaften zu ordnen und sinnvoll zu betreuen.


4

Mühsam durch die Einzelnen erarbeitetes "Kulturgut", oft gefördert durch die öffentliche Hand, ist vom Verlust bedroht, wenn es nicht gelingt, Mittel und Wege zu finden, diese "Güter" zu sichern, zu betreuen und nachhaltig für die Gesellschaft nutzbar zu machen.


5

In Anbetracht dieser Lage hat das Institut für aktuelle Kunst im Oktober 2008 ein viel beachtetes Symposion unter dem Thema "Lebenswerke" durchgeführt. Eingeladen waren Künstler, Nachlassverwalter, Sammler, Archivare und Wissen­schaftler, diese Problematik zu diskutieren.


6

Die Symposionsergebnisse sind in den "Mitteilungen 15" des Instituts für aktuelle Kunst dokumentiert. Darüber hinaus konnte durch die Sendung eines Mitschnitts von SR 2 Kulturradio eine größere Öffentlichkeit erreicht werden.


7

In der Folge des Symposions haben sich engere Kontakte zu ähnlichen Initiativen in Deutschland ergeben. Z. B. haben das Land Nordrhein-­Westfalen und die Stiftung Kunstfonds im April 2010 im Kulturzentrum der Abtei Brauweiler mit Millionen Aufwand eine vorbildliche Künstler­-Nachlass­-Einrichtung geschaffen.


8

Das Interesse an der Initiative im Saarland fand überregionalen Niederschlag unter anderem in Berichten der Zeitungen "Die Welt" vom 14.1.2009 und "Handelsblatt" vom 9.10.2009.


9

Ermutigt durch die Ergebnisse des Symposions und die Erfahrungen vergleich­barer Initiativen, hat das Institut für aktuelle Kunst eine Konzeption ausgearbeitet für die Gründung eines "Zentrums für Künstlernachlässe" in Saarlouis mit dem langfristigen Ziel, eine größere, eventuell museale Einrichtung zu etablieren.


10

Ziel ist es, Teile des in Frage stehenden kulturellen Erbes für die Zukunft zu sichern.


11

Entsprechend den Prinzipien "Archivieren" – "Dokumentieren" – "Publizieren", die die Arbeit des Instituts für aktuelle Kunst bestimmen, muss die zu gründende Einrichtung dafür Sorge tragen, dass die zu betreuenden Nachlässe – sachgerecht erfasst und gelagert – wissenschaftlich aufgearbeitet – öffentlich zugänglich gehalten werden. Die Maßnahmen sollen ergänzt werden durch die Einrichtung einer Artothek, eines Ausstellungsraumes und einer Kunst-­Präsenzbibliothek.


12

Die Aufgabe des "Zentrums für Künstlernachlässe" konkurriert nicht mit Museen und Archiven des Landes und der Großregion, sondern sucht im Gegenteil die Zusammenarbeit. Schon vorhandene Nachlässe in den genannten Einrichtungen, aber auch in Städten und Gemeinden sollen durch digitale Vernetzung Teil des Zent­rums werden: das "Zentrum für Künstlernachlässe" als dezentrale Einrichtung.


13

Unter Berücksichtigung andernorts gemachter Erfahrungen muss eine zu entwickelnde Satzung festlegen, – welche Gremien über die Aufnahme in das Zentrum entscheiden – welche Nachlässe in das Zentrum übergehen – wie Verträge zwischen den Nachlasshaltern und dem Zentrum gestaltet werden müssen.


14

Die Unterzeichner haben in einer Zusammenkunft am 2. Dezember 2010 in Saarlouis das Memorandum diskutiert und abschließend zur Veröffentlichung empfohlen, in der sicheren Überzeugung, dass die beabsichtigte Gründung eines "Zentrums für Künstlernachlässe" für das Land und die Großregion als eine wichtige Initiative anzusehen ist.

 

 

Unterzeichner (Stand 15. Januar 2011)

 

Werner Bauer, Künstler, Saarbrücken
Dr. Paul Bertemes, MediArt, Luxemburg
Dr. Ingeborg Besch, Galerie Besch, Saarbrücken
Dirk Bubel, Saarländisches Künstlerhaus e. V., Saarbrücken
Monika Bugs, Kunsthistorikerin, Künstlerin, Saarlouis
Dr. Hans-Jörg Czech, Kunsthistoriker, Wiesbaden
Dr. Ernst Clüsserath, Nachlassverwaltung, Saarbrücken
Dr. Gabriele Clüsserath, Nachlassverwaltung, Saarbrücken
Oranna Dimmig, Kunsthistorikerin, Saarbrücken, Berlin
Prof. Dr. Lorenz Dittmann, Kunsthistoriker, Saarbrücken
Dipl. Ing. Marlen Dittmann, Deutscher Werkbund Saar, Saarbrücken
Andrea Fischer, M.A., Albert­-Weisgerber-Stiftung, St. Ingbert
Prof. Dr. Dietfried Gerhardus, Philosoph, Saarbrücken
Maly Gerhardus, M.A., Kunsthistorikerin, Saarbrücken
Prof. Eugen Gomringer, Künstler, Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie,  Rehau
Dr. Sabine Graf, Kunstschriftstellerin, Homburg
Josef Gros, Nachlassverwaltung, Saarbrücken
Katja Hanus, M.A., Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken
Ewerdt Hilgemann, Künstler, Amsterdam
Waltrud Hölscher-Grewenig, Nachlassverwaltung, Bensheim
Prof. Harald Hullmann, HBKsaar, Saarbrücken
Nina Jäger, Künstlerin, Saarbrücken
Marlo Kaldewey, Sammlerin, Saarbrücken
Rüdiger Kaldewey, Sammler, Saarbrücken
Ursula Kallenborn-­Debus, Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken
Anni­ Kenn-Fontaine, Künstlerin, BBK Saar, Saarlouis
Dipl. Ing. Herbert Kiefer, Architektenkammer des Saarlandes, Saarbrücken
Helga Kleint, Nachlassverwaltung, Heusweiler
Dr. Isolde Köhler­-Schommer, Kunsthistorikerin, Merzig
Prof. Leo Kornbrust, Künstler, St. Wendel
Sandra Kraemer, M.A., Kunsthistorikerin, Saarbrücken
Hanno Krisam, Nachlassverwaltung, Rehlingen­-Siersburg
Hedi Krisam, Nachlassverwaltung, Rehlingen­-Siersburg
Michael Kühr, Kunsthistoriker, Künstler, Galerist Mandelbachtal
Drs. Cornelieke Lagerwaard, Museum St. Wendel, Mia Münster Haus, St. Wendel
Dipl. Ing. Willi Latz, Architekt, BDA, Püttlingen
Dr. Wolfgang Laufer, Institutsrat, Institut für aktuelle Kunst, Saarbrücken
Prof. Horst Linn, Künstler, Dortmund
Dr. Ludwig Linsmayer, Landesarchiv, Saarbrücken
Prof. Heiko Lukas, HTW, Fachbereich Architektur, Saarbrücken
Dipl. Ing. Johann Peter Lüth, Sammler, Saarbrücken
Lieselotte Lüth, Sammlerin, Saarbrücken
Dr. Ralph Melcher, Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Saarbrücken
Dr. Heinzjörg Müller, Kuratorium, Institut für aktuelle Kunst, Saarbrücken
Prof. Ben Muthofer, Künstler, Ingolstadt
Prof. Wolfgang Nestler, Künstler, Monschau
Gernot W. Neuheisel, Galerie Neuheisel, Saarbrücken
Nicole Nix-­Hauck, M.A., Museum im Bürgerhaus Neunkirchen, Neunkirchen
Eike Oertel­-Mascioni, Kunsthistorikerin, Wallerfangen
Michael Palz, Galerie Palz, Saarlouis
Brigitte Reuther, galerieampavillon, Saarbrücken
Hans Karl Reuther, galerieampavillon, Saarbrücken
Ingrid Roberts, Kulturamtsleiterin, Wiesbaden
Michael Sander, Landesarchiv, Saarbrücken
Dr. Dieter Scheid, Sammler, Überherrn
Heinz Scherber, Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken
Dr. Hans M. Schmidt, Kunsthistoriker, Bonn
Prof. Paul Schneider, Künstler, Merzig
Monika Schrickel, Künstlerin, BBK Saar, Saarbrücken
Sybille Spiess­-Deckert, Nachlassverwalterin, Galerie Kunststall, Kirkel
Margret Wagner­-Grill, M.A., Kunsthistorikerin, St. Wendel
Axel Walzinger, Galerie Walzinger, Saarlouis
Anita Walzinger, Galerie Walzinger, Saarlouis
Dr. Petra Wilhelmy, Kunsthistorikerin, Wadgassen
Dr. Peter Winter, Landrat a.D., Kuratorium, Institut für aktu­elle Kunst, Saarlouis
Thomas Wojciechowicz, Künstler, Saarländischer Künstlerbund, Saarbrücken