sichtbar machen
Staatliche Kunstschulen im Saarland 1924-2004

22/11/2006

Herausgeber:

Jo Enzweiler


Bearbeitung/Redaktion:

Michael Jähne, Claudia Maas

 

Inhalt

- Geschichte wird "sichtbar"

Jo Enzweiler

 

1924-1936
- Die Anfänge der künstlerischen Wissensvermittlung an der Saar
Direktorat Fritz Grenwenig
Eva Wolf
- Centre de Métiers d’Art Sarrois – Sarrebruck
Staatliche Saarländische Schule für Kunst und Handwerk – Saarbrücken

 

1946-1959
Kunstpolitik im Rahmen der französischen Besatzung in Südwestdeutschland

nach 1945
Rainer Hudemann

- 1946-1952 Direktorat Henry Gowa
Michael Jähne

- 1952-1959 Direktorat Otto Steinert
Margarete Wagner-Grill

- »subjektive fotografie« und die Klasse von Otto Steinert
Roland Augustin

 

1959-1971
Staatliche Werkkunstschule
- 1961-1971 Direktorat Robert Sessler
Margarete Wagner-Grill

 

1971-1989
Fachhochschule des Saarlandes – Fachbereich Design
- Der Übergang von der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk Saarbrücken in den Fachbereich Design der Fachhochschule des Saarlandes
Sandra Kraemer

– 13 Jahre Kunstschulexperiment - Saarbrücken 1946-1959, 1986
J.A. Schmoll gen. Eisenwerth
– 40 Jahre Gestalten, Ausstellung in der Hochschulgalerie
Jo Enzweiler

– Konzeption der Hochschule der Bildenden Künste Saar
Jo Enzweiler

 

1989-2004
Hochschule der Bildenden Künste Saar
HBKsaar Struktur und Ziele
1989-1991 Rektorat Jo Enzweiler
1991-1993 Rektorat Ulrike Rosenbach
1993-2001 Rektorat Horst Gerhard Haberl
2001-2004 Rektorat Diethard Adt
Seit 2004 Rektorat Ivica Maksimovic
Sandra Kraemer


– HBK saar - Inhalt und Weg
Sabine Graf

– Aspekte

Boris Kleints Bildlehre als Grundlehre an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk
Christoph Wagner
– zur bildlichen Gestaltungslehre an der hbksaar
sigurd rompza

– »Betrifft: Ausbildung von ­Kunsterziehern«
Sabine Graf

- Aufgaben und Bedeutung der ­Werkstätten an den Kunstschulen des Saarlandes
Dirk Rausch

- Institut für aktuelle Kunst im Saarland

- Das Hauptgebäude der Staatlichen Kunstschulen am Ludwigsplatz in Saarbrücken
Oranna Dimmig

- Haupt-und nebenamtliche Lehrkräfte, Gast- und Honoraprofessuren, Schülerinnen und Schüler, Absolventinnen und Absolventen
- Satzungen, Konzepte, Lehrpläne, Statistik
- Ausstellungen, Veranstaltungen, Vorträge, Tagungen, Wettbewerbe, Exkursionen

Bestand "Schule für Kunt und Handwerk (SchfKuH) im Landesarchiv bearbeitet von Michael Sander

- Bibliografie
- Register

 

 

Vorwort:

Geschichte "sichtbar" machen

Jo Enzweiler

 

In den »Schöpferischen Konfessionen XIII«, herausgegeben von Kasimir Edschmid, erschienen 1920, beginnt Paul Klee seinen Beitrag mit dem Satz: »Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.« Der Titel unserer Veröffentlichung bezieht sich in modifizierter Form auf diese Aussage, die geradezu programmatische Bedeutung für die Entwicklung der Bildenden Kunst im 20. Jahrhundert und die Fortführung zu Beginn unserer Zeit hat. »sichtbar machen« steht hier für das Bemühen der Lehre gerade auf der Höhe der Zeit, geistige Prozesse durch das Tun zu vermitteln. Die Geschichte der künstlerischen Wissensvermittlung und der akademischen Ausbildung von Künstlern im Saarland wird zum ersten Mal mit der nun vorliegenden Veröffentlichung einer systematischen Nachforschung dokumentiert. Abgesehen von verstreut auffindbaren Darstellungen ein?zelner Ereignisse gab es keine zusammenhängende Dokumentation, die eine historische Entwicklung nachzeichnet. Eine erste grundlegende Untersuchung erfolgte im Rahmen einer Forschungsarbeit an der Fachhochschule des Saarlandes im Fachbereich Design. Die damalige Untersuchung war schon Teil der Absicht, eine Geschichte der Saarbrücker Kunstschulen in Form eines Buches vorzulegen. Mannigfache Schwierigkeiten, besonders in Bezug auf die Auffindung verwertbaren Quellenmaterials zur Entwicklung vor 1946, führten seinerzeit dazu, zunächst nur einen Teil der Entwicklung zu erforschen, die Zeit des Direktorates Gowa von 1946-51.

H. Henry Gowa, der zu der Zeit des Forschungsprojektes 1986 noch lebte, zu befragen und offene Fragen aus seiner Sicht klären zu können, war Anreiz genug für die damalige Untersuchung. Die Befragung weiterer wichtiger Zeitzeugen, Lehrender und Schüler, folgte bald nach.

 

Eine zweite wichtige Basis für die Verfolgung eines Projektes diesen Ausmaßes war die Gründung des Instituts für aktuelle Kunst im Saarland. Neben den ausgewiesenen Schwerpunkten der Arbeit des Instituts, der Dokumentation und wissenschaftlichen Aufarbeitung des aktuellen Kunstgeschehens im Saarland und der Region mit einem speziellen Augenmerk auf die Kunst im öffentlichen Raum, wurden kontinuierlich alle Informationen gesammelt und ein Autorenstab aufgebaut, der letztendlich dazu ermutigte, das Projekt in Angriff zu nehmen.

 

Ein dritter, ebenso konstituierender Anlass war die Gründung der ersten Kunsthochschule im Rang einer wissenschaftlichen Einrichtung, die nun schon über fünfzehn Jahre existiert und in ihrer Form das Leben des Landes mitbestimmt. Erstmals scheint die bis dahin bewegte und lücken?hafte Entwicklung eines wesentlichen Sektors unserer Regionalkultur sich zu stabilisieren und Wurzeln zu schlagen. Es bildet sich eine Tradition, die für die immer noch junge politische Geschichte des Landes von Bedeutung ist und die Suche nach der eigenen Identität befördert. Die vorliegende Veröffentlichung gliedert sich also in die his?torisch ablesbaren Phasen. Es wird der Versuch unternommen, einerseits – soweit es überhaupt möglich ist – durch Realisierungsbeispiele die jeweils verfolgte künstlerische Absicht in der Ausbildung zu belegen, andererseits die organisatorischen Strukturen darzulegen, unter denen jeweils Lehren und Lernen vollzogen werden konnte. Es zeigt sich immer wieder, dass die Geschichte der Einrichtungen künstlerischer Ausbildung – nicht immer zu ihrem Vorteil – eng verbunden ist mit der sozialen und politischen Entwicklung. Nicht immer herrschte die Überzeugung, dass die Qualität einer Zivilisation sich dadurch definiert, dass möglichst alle Aspekte der Kultur (auch die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Minderheiten) sich ungehindert entwickeln können. Die Schließung der ersten Schule für Kunst und Kunstgewerbe 1936 durch das Regime des Nationalsozialismus wurde bewusst durch die Neugründung der französischen Militärregierung 1946 mit dem Anspruch auf Überwindung der Folgen des Nationalsozialismus beantwortet. Die Rückbesinnung auf das Gedankengut des Bauhauses, das vor dem Zweiten Weltkrieg für die damalige Einrichtung bestimmend war, wurde Richtung gebend für die Schule für Kunst und Handwerk. Dabei soll nicht verschwiegen sein, dass die 1958 in Werkkunstschule umbenannte Einrichtung seit ihrer Gründung immer wieder Anfeindungen aus verschiedenen Richtungen ausgesetzt war, welche ihre Existenz 1960 schließlich in Frage stellten. Nur mit Not konnte die Schule zu Beginn der 60er Jahre einer völligen Auflösung entgehen. Womöglich ist es einer bundesweit aufmerksamen Öffentlichkeit zu verdanken, dass ein Fragment der einst blühenden Schule für Kunst und Handwerk, die weit über die Landesgrenzen hinaus Bedeutung erlangt hatte, als Fachbereich Design in die Fachhochschule des Saarlandes integriert werden konnte.

 

Die Geschichte dieses Teils der Geschichte der Kunstschule ist wiederum eine Erfolgsgeschichte. Trotz eines äußerst begrenzten Lehrangebots in wenigen Fachrichtungen – beschränkt auf das ?Design – ist es ein Verdienst der damals Lehrenden, dass die »Schule« als solche im öffentlichen Bewusstsein verankert blieb. Dazu beigetragen hat sicher der behutsame Umgang der anderen Fachbereiche der Fachhochschule und insbesondere der Rektoren, die die Bedeutung des Fachbereichs Design auch für die übrigen, stark technisch bestimmten Fächer erkannten. Dazu beigetragen hat ebenso die geschickte politische Entscheidung, die so genannte Grundlehre als eine Fachrichtung zu installieren. Damit hatte diese so wichtige Einrichtung den erforderlichen Spielraum, sich weiter zu entwickeln. Die in der Grundlehre vermittelten allgemeinen Grundlagen der Kunstausübung trugen dazu bei, dass neben der angewandten, die freie künstlerische Praxis unterschwellig vorhanden war und verbreitet wurde. So konnte – was in der Euphorie der Gründungsphase der HBKsaar nicht immer so wahrgenommen wurde – die neue Hochschule auf einem soliden Fundament aufgebaut werden. Die Darstellung dieser vierten Phase in der historischen Entwicklung reflektiert in sich schon, dass das Gedankengut, welches die Gründungsväter der neuen Einrichtung mit auf den Weg gegeben haben, lebendig ist und dass die politische Entscheidung der Wiederbelebung künstlerischer Ausbildung im Saarland entscheidende Bedeutung für das Land hat. Den seinerzeit vom Gründungsrektor formulierten allgemeinen geistigen Zielen sind, wie an der Darstellung der Arbeit der Hochschule ablesbar ist, neue Ideen hinzugetreten. Die angestrebten Strukturen scheinen sich zu bewähren. Wie es sich für eine Hochschule geziemt, entwickelt sie sich auf allen angestrebten Gebieten autonom und folgerichtig. Ausdrücklich erwähnt sei, dass die von den politisch Handelnden gewährte Autonomie die Entwicklung eines gesellschaftlichen Modells ermöglicht, das gerade in Kunst und Gestaltung nur durch die Sicherstellung von Freiheit möglich ist. Dabei wurden und werden Traditionen, die man als wertvoll erkannt hat, weiter erhalten: neben Grundgedanken der Lehre auch die Einrichtung und Pflege von Werkstätten (Druck-, Holz-, Metallwerkstatt) oder die Schaffung eines Ausstellungsforums in der Hochschule. War es bei der Schule für Kunst- und Kunstgewerbe (1925-1936) das angegliederte Staatliche Museum, so wurde bei Gründung der HBKsaar zunächst an eine Hochschulgalerie gedacht, später entschied man sich aber, einen Großteil der Ausstellungsaktivitäten in und mit der Stadtgalerie Saarbrücken durchzuführen. Angesichts der begonnenen Neuordnung der saarländischen Museumslandschaft wird nunmehr wieder stärker der Gedanke an eine Galerie in der Hochschule selbst ventiliert.

 

Ein besonderes Augenmerk ist im Rahmen unserer Veröffentlichung der Kunsterziehung gewidmet. In allen fachbezogenen Diskussionen und politischen Auseinandersetzungen gilt es heute als ge?sichert, dass alle, die mit Kunst umgehen, Künstler, Kunstvermittler, Kunstwissenschaftler, auf die Grundlagen zurückgreifen müssen, die in der vorschulischen und schulischen Entwicklung angeboten werden und von entscheidender Bedeutung für Kunstproduktion und Kunstrezeption sind. Nicht immer ist diese Erkenntnis – wie speziell die Geschichte zeigt – auch in der Tat berücksichtigt worden. Die neuerlichen Bewegungen innerhalb der Hochschule und womöglich anderer in diesem Zusammenhang wichtiger Partner zeigt, dass die Ausbildung der Kunsterziehung, wie sie sich innerhalb der letzten 100 Jahre entwickelt hat, sowohl für die interne Entwicklung einer Kunsthoch?schule von Bedeutung ist als auch den gesellschaftlichen Integrationsfaktor erheblich verbessert.

Die Geschichte der Saarbrücker Kunstschulen ist eng verbunden mit einem Gebäude, das im Rahmen des Ensembles Ludwigsplatz das Stadtbild Saarbrückens wesentlich prägt: das ehemalige Armen-, Zucht- und Waisenhaus. Es war eine kluge Entscheidung, anlässlich der Gründung der HBKsaar das Gebäude von Grund auf zu sanieren und damit auch äußerlich die historische Genese der Hoch?schule, die Integration in das Stadtbild zu dokumentieren. In einem besonderen Beitrag wird dieser Bedeutung Rechnung getragen.

 

Es war zunächst geplant, die vorliegende Veröffentlichung im Herbst 2004 abzuschließen. Der äußere Anlass war die 80ste Wiederkehr der Gründung der Schule für Kunst und Kunstgewerbe 1924. Die äußerst komplizierte Aktenlage – leider ist es von den jeweiligen Einrichtungen versäumt worden, an eine spätere Bearbeitung zu denken – sowie die Schwierigkeit, geeignetes Wiedergabematerial – insbesondere aus der ersten Phase – ausfindig zu machen, haben wiederholt zu der Entscheidung geführt, noch verspätet auftauchende Dokumente zu berücksichtigen. Wenn wir uns auch jetzt dazu entschieden haben, einen vorläufigen Schlussstrich zu ziehen und die Veröffentlichung abzuschließen, bedrückt uns einerseits die sichere Annahme, dass nach Erscheinen weitere Materialien auftauchen, andererseits sind wir sicher, mit dem womöglich unvollständigen Ergebnis eine weiterführende Auseinandersetzung anzustoßen. Als bestmögliches Konzept für die vorliegende Publikation wurde rasch die Form eines Herausgeberbandes erkannt, bietet doch diese Lösung die Möglichkeit die vielfältigen Aspekte des Themas von Autoren unterschiedlichster Kompetenz in allen Facetten beleuchten zu lassen.

 

Zu allen Autoren dieser Veröffentlichung unterhält das ?Institut für aktuelle Kunst seit Jahren gute Beziehungen – die bereitwillige Zurverfügungstellung der einzelnen Beiträge zu den jeweiligen Wissensbereichen war die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Zur besseren Information des Benutzers sind die Autoren persönlich mit ihren Arbeitsgebieten vorgestellt. Besondere Erwähnung bedarf, dass in enger Zusammenarbeit mit Michael Jähne 1985/86 die schon zitierte erste grundlegende Teiluntersuchung stattfand, die dann zur weiteren Bearbeitung ermutigt hat. In besonderer Weise hat sich Claudia Maas um das Zustandekommen der Veröffentlichung verdient gemacht, mit Konsequenz und Durchsetzungsfähigkeit hat sie die Gesamtkonzeption miterarbeitet und organisatorisch umgesetzt. Eine Besonderheit des Instituts ist es, dass Fotografen und Gestalterinnen die zu vermittelnden Inhalte durch erworbene Kenntnis überzeugend umsetzen und den Veröffentlichungen des Instituts für aktuelle Kunst die charakteristische Besonderheit geben, dass Form und Inhalt einander bedingen und die Verständlichkeit entscheidend erleichtert wird. Zum Abschluss sei noch darauf hingewiesen, dass die Publikation »sichtbar machen – Staatliche Kunstschulen im Saarland 1924-2004« ein wichtiger Baustein ist für eine in den nächsten Jahren geplante Gesamtübersicht über die Bildende Kunst im Saarland.

 

Ort und Jahr

Saarbrücken 2006

 

Verlag

St. Johann GmbH, Saarbrücken

 

Seitenzahl, Abbildungszahl

480 Seiten, ca. 900 Duplex- und Farbabbildungen

 

Verarbeitung

24,5 x 28 cm, gebunden

 

Druck

Krüger Druck + Verlag GmbH, Dillingen

 
Auflage

1200

 

ISBN

3-938070-01-3

 

Preis

€  59,00

 

Die Publikation wurde ermöglicht durch die großzügige Förderung der Union Stiftung, Saarbrücken, des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft und der Saartoto GmbH

 

 


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